AugenSinn

Gabriele Reiterer
AugenSinn. Zu Raum und Wahrnehmung in Camillo Sittes Städtebau
Verlag Anton Pustet Salzburg 2003
ISBN 3-7025-0485

Ein Wiener Architekt des 19. Jahrhunderts reist in die Städte Europas. Nach der Ankunft spaziert er durch die Stadträume. Er notiert, zeichnet und schreibt. Er besteigt einen Turm, von dem aus er die Stadt überblickt. Am Abend setzt er sich in das beste Restaurant. Er speist, trinkt und ordnet dabei seine Recherchen.

Nachdem er über Jahre feldforschend unterwegs war, schreibt er sturzbachartig in vierzehn Tagen ein Buch. „Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ wirkte, als es 1889 in Wien erschien, wie eine Initialladung auf eine vorbereitete Mine, so der Otto Wagner-Schüler Leopold Bauer. Das Buch war sofort nach seinem Erscheinen vergriffen. Es wurde sogleich nachgedruckt, erschien in vielen Auflagen und wurde in zwölf Sprachen übersetzt. Der Bestseller begründete – mehr als seine praktische Tätigkeit – den Ruhm des Autors Camillo Sitte. Sittes Werk erhob die Wahrnehmung und die räumliche Empfindung des Menschen zum Kerngedanken jeder städtebaulichen Planung. So groß der Erfolg der Schrift Camillo Sittes war, so heftig polemisierten schließlich Vertreter der Architekturmoderne ab den Neunzehnhundertzwanzigerjahren gegen ihn.

Gabriele Reiterers Studie „AugenSinn“ wirft einen präzisen Blick auf die geistige und künstlerische Welt Camillo Sittes. Sie legt die Quellen seiner Forschungen und Inspirationen frei. Sie erzählt, wie Sitte Erkenntnisse aus den neuen Wissenschaften der Natur und Ästhetiklehren virtuos in Architektur und Städtebau übertrug. Sie stellt dar, wie Sigmund Freud und Josef Breuer mit ihren Studien einen Boden für ein neues psychologisches Verständnis bereiteten. Der deutsche Wissenschaftler Gustav Theodor Fechner veröffentlichte die Grundlagen einer neuen empirischen Ästhetik und begründete die experimentelle Psychologie. In AugenSinn erzählt Gabriele Reiterer von Genese und Wirkung des bahnbrechenden, raumpsychologischen Werks von Camillo Sitte und stellt es in einen neuen und gegenwärtigen Kontext. Sittes Begriff der Raumkunst macht die Stadt auf eine subtile Weise lesbar. Seine grundsätzlichen Aussagen besitzen zeitlose Gültigkeit.

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Kategorien:Uncategorized

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